KAWASAKI KE 125 - Zweitakt-„Geländefloh“ aus Akashi (2022)

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In den USA spielten seit den 60ern die kleinen und mittleren zweitaktgetriebenen Geländemaschinen des Herstellers aus Akashi schon immer eine größere Rolle als seinerzeit in Europa. Als Folge der Eröffnung des Kawasaki-Enduro-Testgeländes in Santa Ana, Kalifornien, und den damit einhergehenden Verbesserungen bei den Serien-Geländemaschinen wurde die aus den späten 60ern stammende KawasakiF6 – Zweitaktenduro mit ihrem 125 ccm-Motor von der 1974 aufgelegten KawasakiKS 125 abgelöst. Deren drehschiebergesteuertes, luftgekühltes Zweitaktaggregat mit einem Bohrung-Hub-Verhältnis von 56 x 50,6 mm wurde von der Vorgängerin übernommen. Die Ingenieure aus Akashi reduzierten aber mit einer neuen seitlichen Vergaserabdeckung die im Geländebetrieb wichtige Baubreite.

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Kawasaki KE125 – das kleine Gelände-Maschinchen (Foto: Nippon-Classic.de)

Kawasaki Achtelliterherz

Der mit einem 24 mm MIKUNI-Vergaser befeuerte, über Getrenntschmierung mit Frischöl versorgte Motor der KawasakiKS 125 leistete offen 13 PS bei 6.500 U/min und arbeitete mit einer Verdichtung von 6,5:1. Das maximale Drehmoment stand mit 14,7 Nm bei 5.800 U/min an. In Deutschland wurde die Maschine ab 1976 als KawasakiKE 125 auf versicherungsgünstigen 10 PS bei 6.000 U/min und einem Drehmoment von 12,8 Nm bei 5.500 U/min eingebremst. Der schwarz lackierte und hochgelegte Auspuff wurde eng an der rechten Fahrzeugseite geführt und ersetzte optisch den rechten Seitendeckel.

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Die Kawasaki KE125 hatte ein drehschiebergesteuertes, luftgekühltes Zweitaktaggregat (Foto: Nippon-Classic.de)

Obwohl das Triebwerk ein Fünftel seines Gewichts durch zahlreiche Optimierungen verlor, war die nicht zuletzt durch das 6-Gang-Getriebe ziemlich agile Maschine mit einem Gesamtgewicht 104 kg im Vergleich zur Konkurrenz schon etwas schwer geraten. Den Motor teilte sich der kleine Geländefloh im Übrigen mit der Einsteiger-Straßenversion KawasakiKH 125, die als Kurzstreckenmoped mit niedrigen Unterhaltskosten und bis 80 km/h ebenfalls mit einer gewissen Agilität glänzte.

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Die leichtgewichtige KE 125 wog nur 104 Kilogramm (Foto: Nippon-Classic.de)

Das Floh-Fahrwerk

Der Rahmen bestand, ähnlich wie sein Pendant bei der KawasakiKH 125, aus einer Einrohr-Stahl-Konstruktion mit unter dem Motor gegabelten Unterzügen. Die in wertigeren Bronzebuchsen (der Rest der Wettbewerber verwendete billigere und verschleißfreudigere Kunststoffbuchsen) gelagerte Hinterradschwinge stützte sich mit zwei in der Federbasis verstellbaren Stoßdämpfer mit 80 mm Federweg gegen den Rahmen ab und hielt das 18-Zoll-Hinterrad mit dem grob profilierten 3.50-18-Geländereifen am Boden. Vorne tat eine ölgedämpfte Teleskop-Gabel mit 140 mm Arbeitshub ihren Dienst und federte die ankommenden Unebenheiten unter dem schmalen 2.75-21 Vorderrad-Geländereifen ab. Gebremst wurde die KawasakiKE 125 vorne wie hinten mit 130 mm-Simplex-Trommelbremsen, die im Allgemeinen mit den erzielbaren Fahrleistungen recht gut fertig wurden.

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Die Kawasaki KE125 leistet offen 13 PS, gedrosselt 10 PS (Foto: Nippon-Classic.de)

Lob und Tadel für die Kawasaki KE 125

Gelobt wurde das kleine Gelände-Maschinchen seinerzeit für den agilen Motor, die fast komplette Instrumentierung mit gut ablesbarem Tacho und Drehzahlmesser sowie für das für damalige Verhältnisse einigermaßen geländetaugliche Fahrwerk. Kritik erntete die Kawasaki KE 125wegen der im Soziusbetrieb zu schwachen Bremsanlage und den direkt an der Schwinge befestigten Soziusrasten, die dem Beifahrer bzw. der Beifahrerin immer ein wenig Kniegymnastik verordneten. Die durch die 6 Volt-Bordelektrik mehr als spärliche Beleuchtung war auch kein Quell steter Freude. Daher waren Nachtfahrten eher abenteuerlich, in diesem Zusammenhang forderten viele geländeorientierte Fahrer auch eine bruchreduzierende Lagerung der Blinker in Gummi statt an starren Auslegern.

Die strahlenden Farben der KE 125

Die zwischen 1976 und 1985 gebaute KawasakiKE 125 war in vier Farbvarianten (eine Perlmutt / drei Candy-Lasur-Lacke) erhältlich:

  • Pearl-Yellow (Gelb-Schwarz mit schwarzer Beklebung am Tank),
  • Candy-light-Red (Rot-Schwarz ebenfalls schwarze Tank-Decals),
  • Candy-Orange (Orange dto.) sowie
  • Candy-Cobalt-Blue (Kobalt-Blau mit schwarzem Tankdekor)
  • Candy Emerald (Grün-Schwarz/schwarze Tank-Beklebung) für die KS 125.

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Kawasaki KE125 in Candy Emerald (Foto: Nippon-Classic.de)

Alle Typen verfügten über einen in metallic-silbern lackierten, an der unteren Gabelbrücke befestigten Frontfender. Der überwiegende Teil der nach Deutschland verkauften Exemplare dürfte das gelbe bzw. hellrote Farbkleid mit schwarzem Seitendeckel links und schwarzem Tankdekor tragen.

Wie ist die Marktsituation der Kawasaki KE 125?

Laut Fahrzeugzulassungsstatistik des KBA sind aktuell noch ganze 250 Stück dieses liebenswerten Geländeflohs zugelassen. Schön, dass wir ein sehr gut erhaltenes Exemplar vor die Linse bekommen haben – wenn auch in untypischem Terrain. Selbst vom Nachfolgemodell Kawasaki KE 175 gibt’s hierzulande gerade einmal noch 210 Exemplare. Spannend wird mittlerweile die Ersatzteilversorgung, die in Deutschland über „Schlachtmaschinen“ läuft oder über Teile- bzw. Komplettkäufe aus den USA sichergestellt wird.

Abgelöst wurde die Baureihe ab 1986 von der wassergekühlten, mit Membraneinlass und KIPS-Auslaßsteuerung versehenen, 17 PS starken KawasakiKMX 125, die mit einem noch geländetauglicheren UNI-TRACK-gefederten und langhubigen Fahrwerk aufwarten konnte.

Wenn auch nicht unbedingt ein hochpreisiger Geländeklassiker am Ende des Tages dabei herausspringt, bewegen sich die Preise für gepflegte Maschinen in gutem Erhaltungs- und Wartungszustand zwischen 1.300 und (bei geringer Laufleistung) 1.800 Euro , „Bastelbuden und Groschengräber“ gehen für knapp 400 Euro weg.

Von Frank Colling|2021-07-25T17:11:29+02:0017. August 2017|Kawasaki|6 Kommentare

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6 Kommentare

  1. KAWASAKI KE 125 - Zweitakt-„Geländefloh“ aus Akashi (11)

    Georg Wüst12. Juni 2019 um 8:40 Uhr - Antworten

    Hallo ihr lieben! Ich suche für meine kawasaki KE125 einen connector,Air cleaner 14073-1004 esatz .Fahrgestellnummer (VIN):K1-079233

    LG Georg Wüst

  2. KAWASAKI KE 125 - Zweitakt-„Geländefloh“ aus Akashi (12)

    Thomas31. Mai 2021 um 0:08 Uhr - Antworten

    Schöne Maschine, ich besitze selbst zwei davon. Eine KS 125 von ’74 (erstes Baujahr, absolut original erhalten mit etwas über 8T km) sowie ein KE-Modell von ’78. Daher möchte ich einige Ergänzungen anbringen.

    Die KS von 1974 und 1975 unterscheidet sich doch wesentlich von den KE-Modellen 1976-79. Das geht beim Tank und der Sitzbank an, über Seitendeckel, Stoßdämpfer, die Motorseitendeckel bis hin zum Drehzahlmesser, Getriebeabstufung, Drehschieber etc. pp. Die sehen nur auf den ersten Blick identisch aus.

    Die KE, um die es hier geht, hatte 1976 und 77 ein Tankdesign mit einem nach oben schmäler werdenden, diagonal verlaufenden Band und dem Kawasaki-Schriftzug darüber.
    Farben waren 1976 (KE 125-A3) Pearl Yellow und Candy Orange, 1977 (KE 125-A4) Candy Light Red und Candy Cobald Blue.
    Diese Baujahre und auch die KS-Modelle von ’74 und ’75 besaßen silberfarben lackierte Schutzbleche.

    1978 (KE 125-A5), wie das in den Fotos gezeigte Modell, war das Tankdekor horizontal mit integriertem Kawasaki-Schriftzug. Farben waren Candy Light Red und Candy Emerald wie auf den Fotos). Nur dieses Baujahr hatte weiß lackierte Fender!

    1979 (KE 125-A6) war das letzte Baujahr dieses Modells, ab 1980 war es eine völlig andere Maschine, auch wenn sie weiterhin KE 125 hieß (A7).
    Tankdekor gab es 1979 nicht mehr, nur noch den Schriftzug. Fender nunmehr in Tankfarbe.

    Seitendeckel bei allen Baujahren immer in Tankfarbe! Schwarze Seitendeckel gab es original nicht!
    Es gab auch etliche technische Änderungen zwischen 76 und 78, auf die ich hier nicht eingehen kann.

    Die 13PS-Varianten sind super, aber selbst die deutsche 10PS-Versicherungsklassen-Drosselvariante ist noch sehr lebhaft und macht riesigen Spaß im (leichten) Gelände. Kawasaki stopfte damals nicht einfach den Motor zu, sondern stimmt ihn neu ab mit geändertem Drehschieber und passender Abstimmung. Daher ist entdrosseln fast unmöglich (Teile gibt es nicht) und auch nicht unbedingt nötig. Der Motor dreht frei bis 8000U/min und wirkt nicht abgewürgt – wenn Zündung und Vergaser korrekt eingestellt sind.

    Viele Teile werden rar, manche sind schon so gut wie nicht mehr zu bekommen (z.B. Gummiteile oder rostfreie Standrohre).
    Umbausatz auf 12V gibt es (noch). Das lohnt nicht wegen der Zündung, die funktioniert auch in 6V gut, aber wegen der dann 100W der Lichtmaschine. Die Originale bringt nur max. 60W, ein Ding der Unmöglichkeit bei heutigem ‚Licht am Tag‘. Spätestens beim Blinken und Bremsen im Leerlauf bricht die Spannung ein und alles glimmt nur noch vor sich hin.

    Gerne mache ich Fotos auch von der KS (Modell A1), falls Interesse besteht.

    Gruß Thomas

  3. KAWASAKI KE 125 - Zweitakt-„Geländefloh“ aus Akashi (13)

    Reinhard Neidhardt3. April 2022 um 1:12 Uhr - Antworten

    Hallo ihr da draussen. Hoffentlich kann mir jemand helfen. Ich bin hier in Namibia und habe eine
    kleine KAWA KE 125, Fahrgest. Nr. K1 – 078643, aus Deutschland. Leider ist kein Handbuch mehr
    vorhanden und ich brauche Informationen ueber die richtige Zuendkerze (keine vorhanden) und das richtige Motoroel, da dieser Motor eine Getrenntschmierung hat. Der Old Wheelers Club in Windhoek konnte leider nicht helfen.

    Im Voraus besten Dank Reinhard

    • KAWASAKI KE 125 - Zweitakt-„Geländefloh“ aus Akashi (14)

      Christian Rieckmann11. Mai 2022 um 10:41 Uhr - Antworten

      Hallo Reinhard,
      Laut Manual kommt dort eine NGK B8HS rein.
      Beste Grüsse

  4. KAWASAKI KE 125 - Zweitakt-„Geländefloh“ aus Akashi (15)

    Marko20. April 2022 um 9:43 Uhr - Antworten

    Hallo zusammen,

    welche Höchstgeschwindigkeit erreicht denn die gedrosselte Version?

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Author: Geoffrey Lueilwitz

Last Updated: 12/11/2022

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