Traktoren an- und ummelden: Hilfe im Bürokratiedschungel - (2022)

Welche Papiere ihr für die Traktor Anmeldung benötigt, welches Kennzeichen für eure Landmaschine das richtige ist und welche Formalitäten rund um die (Neu-)Zulassung oder Abmeldung einer Landmaschine wichtig sind, erfahrt ihr in unserem traktorpool Ratgeber.

Inhaltsverzeichnis:

1. Die wichtigsten Fragen vorab

2. Den Traktor anmelden

3. Traktor anmelden, ummelden oder abmelden - Welche Dokumente benötige ich?

4. Beim Straßenverkehrsamt vor Ort oder online?

5. HU- und AU-Bescheinigungen

6. Das schwarze Kennzeichen - steuerpflichtig

7. Das grüne Kennzeichen - Steuerbefreit

8. Was bedeutet steuerbefreit?

9. Wann bekomme ich ein H-Kennzeichen?

10. Wechselkennzeichen für Oldtimer

11. Saisonkennzeichen - Vorteile und Nachteile

12. Den Anhänger anmelden - Wann ist ein Anhänger zulassungsfrei?

Zusammenfassung gewünscht? Alles rund um die Zulassung von Traktoren und Landmaschinen hier als pdf runterladen.

1. Die wichtigsten Fragen vorab:

  • Wie groß ist mein Betrieb?
    Davon abhängig sind die Leistungsanforderungen an die neue Maschine.
  • Welche Einsatzgebiete sollen bewirtschaften werden?
    Grünland? Ackerbau? Forstwirtschaft? Weinanbau oder Sonderkulturen? Oder benötige ich ein reines Transportfahrzeug?
  • Welche Attribute muss meine Landmaschine mitbringen?
    Bezogen auf die Breite der Landmaschine. Wie hoch darf meine Maschine sein (bezüglich einer eventuellen Stallarbeit mit niedrigeren/hohen Decken)? Welche Ausstattung benötige ich, wie z. B. Frontlader, Allradantrieb, Getriebevariationen, etc.?
  • Favorisiere ich einen Hersteller?
    Sind Werkstätten des ausgewählten Herstellers in der Nähe? Wie ist das Vertriebsnetz des jeweiligen Herstellers? (Sind die Entfernungsstrecken sehr weit, können die Kosten einer Ersatzteilversorgung steigen.) Wie gut ist die Ersatzteilversorgung? Wo liegen in etwa die Kosten der Ersatzteile (Ersatzteile mit Seltenheitswert)?

2. Den Traktor anmelden

In der Landwirtschaft müssen Traktoren und andere Landmaschinen von der jeweils zuständigen Behörde zum Verkehr zugelassen werden, damit Fahrten auf öffentlichen Straßen erlaubt sind. Die meisten Landmaschinen sind als Land- oder Forstwirtschaftliches Fahrzeug, kurz LOF, angemeldet.
Bei der Zulassung von Landmaschinen wird zwischen verschiedenen Kategorien unterschieden, nach denen sich die Höhe der (KfZ-)Steuerabgabe oder eine eventuelle Befreiung von der Steuer richtet. Sichtbar wird das am Kennzeichen der Landmaschine. Die Regelungen sind dabei komplex und die Kennzeichnungen an genaue Auflagen gebunden.

Grundsätzlich gilt:

  • Da bei der Zulassung das Kraftfahrzeugsteuergesetz (KraftStG) greift, muss eine mögliche Steuerbefreiung vorab beim zuständigen Finanzamt beantragt werden.
  • Steuerbefreit sind:
    Zugmaschinen (ausgenommen Sattelzugmaschinen),
    kraftfahrzeugsteuerrechtlich anerkannte Sonderfahrzeuge und
    Anhänger (ausgenommen Sattelanhänger), die ausschließlich hinter Zugmaschinen mitgeführt werden
    sowie einachsige Anhänger,sofern diese ausschließlich zu land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken verwendet werden.
  • Die Steuerbefreiung ist an strenge Auflagen gebunden.
  • Eine gültige Bescheinigung über Haupt- und Abgasuntersuchung (HU und AU), sowie eine gültige KfZ-Versicherungsbescheinigung (mindestens Haftpflicht) müssen vorliegen.

3. Traktor anmelden, ummelden oder abmelden

Welche Dokumente benötige ich?

  • Fahrzeugbrief und Fahrzeugschein
  • Ein gültiges Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass mit Meldebestätigung)
  • Versicherungsbestätigung mit eVB-Nr.
  • HU- und AU-Bestätigungen
  • Ggf. Bescheinigung vom Finanzamt über eine Steuerbefreiung (für das grüne Kennzeichen)
  • Kennzeichen
  • Ausgefülltes SEPA-Mandat zur Abbuchung der Kraftfahrzeugsteuer
  • Entsprechende Nachweise für die Fahrzeugzulassung bei eingetragenen Vereinen, Betrieben und Gesellschaften

Für die Abmeldung benötigst du lediglich Fahrzeugbrief, einen gültigen Ausweis und deine Kennzeichen.

4. Beim Straßenverkehrsamt vor Ort oder online?

Der Traktor wird beim zuständigen Straßenverkehrsamt angemeldet, auch das Um- und Abmelden passiert dort. In vielen Städten kann die Wiederzulassung, sowie die Abmeldung eines Traktors oder einer anderen Landmaschine bereits online durchgeführt werden. (Informationen darüber, wo was möglich ist, finden sich auf der jeweiligen Website des Amts.) Die Zulassung muss vor der Nutzung des Fahrzeugs für den bestimmten Zweck passieren.

Je nach Fahrzeugtyp und Zulassungsstelle fallen bei der An- und Ummeldung entsprechend Gebühren für die Bearbeitung und die Schilderprägung an. Diese Gebühren variieren jedoch in den einzelnen Bundesländern.

Eine Schilderprägung ist bei Neuzulassungen unumgänglich. Bei Ummeldungen ist seit Januar 2015 auch nach Kreiswechsel die Kennzeichenmitnahme möglich.

5. HU- und AU-Bescheinigungen

Wie oft müssen sie durchgeführt werden? In welchen Rhythmen?
Die HU (Hauptuntersuchung, umgangssprachlich auch TÜV genannt) überprüft Zustand und Funktion der einzelnen Kraftfahrzeug-Bauteile. Die AU, die Abgasuntersuchung wird zumeist im Rahmen der HU vorgenommen. Die Gebühren für die jeweilige Untersuchung können in den einzelnen Bundesländern variieren.

Wann muss welcher Traktor zur HU?

  • Zugmaschinen von bis zu 40 km/h alle 24 Monate, unabhängig von dem zulässigen Gesamtgewicht
  • Landmaschinen, die schneller als 40 km/h fahren, mit weniger als 3,5 t, alle 24 Monate
  • Landmaschinen, die schneller als 40 km/h fahren, mit mehr als 3,5 t, alle 12 Monate

6. Das schwarze Kennzeichen - steuerpflichtig

Schlepper und Co. sind dafür konzipiert, im land- und forstwirtschaftlichen Bereich zum Einsatz zu kommen. Die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr steht hierbei nicht im Fokus. Trotzdem lässt es sich nicht immer vermeiden, dass Traktoren auch uneingeschränkt im öffentlichen Straßenverkehr genutzt werden müssen. In dem Fall greift auch für diese Fahrzeuge die StVO und steuerliche Abgaben, gültige AU/HU und Versicherungsbescheide müssen entrichtet bzw. vorgelegt werden. Schlepper, für die diese Voraussetzungen geschaffen wurden, sind mit einem gängigen schwarzen Kennzeichen ausgestattet. Bei dieser Art der Zulassung muss auch jeder mitgeführte Anhänger zugelassen sein.
Die Preise für die Abgaben der KfZ-Steuer sowie der Versicherungssatz richten sich nach verschiedenen Faktoren, wie CO² Ausstoß, Hubraum sowie Fahrzeug- und Motorentyp. Überprüft werden kann die Höhe der fälligen Abgaben vorab mit offiziellen KfZ-Steuerrechnern, zum Beispiel beim Bundesfinanzministerium:

7. Das grüne Kennzeichen - steuerbefreit

Zugmaschinen und Anhänger, die ausschließlich für die Land- und Forstwirtschaft genutzt werden, können mit einem grünen Kennzeichen gefahren werden. Somit ist die jeweilige Maschine steuerbefreit. Ebenso können selbstfahrende Arbeitsmaschinen eine Zulassung mit einem grünen Kennzeichen erhalten.

Dennoch ist eine Steuerbefreiung je nach Bundesland an unterschiedliche strenge Auflagen gebunden, die in der jeweiligen Bundesbehörde oder in der örtlichen Zulassungsstelle eingesehen werden können. Bundesweit gilt jedoch: Wer seinen Schlepper von der Steuer befreien will, muss als Betriebseigentümer mindestens 2h Land bewirtschaften.

8. Was bedeutet steuerbefreit?

Steuerbefreit sind Landmaschinen, die tatsächlich und ausschließlich für land- und forstwirtschaftliche Zwecke eingesetzt werden. Konkret bedeutet das, dass alle Selbstfahrer, die für Arbeiten in diesem Bereich eingesetzt werden, nicht uneingeschränkt am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

Was umfasst einen land- und forstwirtschaftlichen Zweck?

  • Die Nutzung des Fahrzeugs zur Landschaftspflege in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, dem Wein-, Gemüse-, Obst- und Gartenbau, in Zuchtbetrieben (Tierzucht und Tierhaltung, Fischzucht), Fischereibetrieben, Imkereien und Betrieben der Teich- und Jagdwirtschaft
  • Landschaftspflege zum Zweck des Umwelt- und Naturschutzes
  • Pflege- und Wartungsarbeiten in Park- und Gartenanlagen, sowie Böschungen
  • Einsatz von Maschinen in land- und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen
  • Nebenberufliche landwirtschaftliche Tätigkeiten, sowie Nachbarschaftshilfe
  • Winterdienst
  • Probefahrten im beschränkten Rahmen (Herstellerprobefahrten, Testfahrten nach Wartungsarbeiten)

Beantragt werden kann eine Steuerbefreiung ebenso für Fahrzeuge, die ausschließlich zu begünstigten land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken genutzt werden. Dies umfasst:

  • Zugmaschinen (ausgenommen Sattelzugmaschinen)
  • Kraftfahrzeugsteuerrechtlich anerkannte Sonderfahrzeuge
  • Anhänger (ausgenommen Sattelanhänger), die hinter einer Zugmaschine oder einem Sonderfahrzeug ausschließlich mitgeführt werden; sowie einachsige Anhänger. Mitgeführt als zusätzliche Zugmaschine oder Sonderfahrzeug sind Anhänger nicht steuerbefreit.

Zusätzlich können, neben landwirtschaftlichen Selbstfahrern, eingetragene Hilfsvereine und Fahrzeuge, die für Rettungs- und Bergungseinsätze genutzt werden, von der Steuer befreit werden. Selbiges gilt für Hilfsgütertransporter und Arbeitsmaschinen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h.
Für alle Fahrzeugtypen gilt jedoch: Der entsprechende Beitrag zur KfZ-Versicherung ist weiterhin und unabhängig von der Steuer zu entrichten. Des Weiteren gilt:

Von der KfZ-Steuer befreite landwirtschaftliche Selbstfahrer und Traktoren dürfen ausschließlich für den vorgesehenen Zweck genutzt werden. Wer sich nicht an die entsprechenden Auflagen
und Einschränkungen zur Fahrzeugnutzung hält, begeht Steuerhinterziehung.

Zudem erlischt der Versicherungsschutz. Wenn also beispielsweise entgegen des LoF-Zwecks eine einfache Rundfahrt mit dem Schlepper unternommen wird – ohne, dass dieser nachweisbar für eine landwirtschaftliche Arbeit genutzt wird – liegen die Zulassungs- und Versicherungsvoraussetzungen nicht länger vor.

Mehr Informationen zum Thema Traktor Versicherung findet ihr im traktorpool Ratgeber „Traktor Führerschein und Versicherung – Das braucht der Traktorfahrer“

9. Wann bekomme ich ein H-Kennzeichen?

Bei Oldtimern – also Fahrzeugen, deren Baujahr mindestens 30 Jahre zurückliegt – kann ein H-Kennzeichen beantragt werden. Dafür sollte der Traktor in einem guten Allgemeinzustand sein, zudem müssen alle Hauptbaugruppen des Schleppers dem ursprünglichen Serienzustand entsprechen. Vorteil eines H-Kennzeichens: Der Oldtimer darf ohne gesonderte Plakette in allen Umweltzonen fahren.

10. Wechselkennzeichen für Oldtimer

Für Oldtimer können ebenfalls sogenannte Wechselkennzeichen verwendet werden. Das heißt, dass mehrere Oldtimertraktoren (maximal 10 Fahrzeuge) wechselweise mit demselben Kennzeichen ausgestattet werden können, sofern deren Baujahre 25 Jahre oder noch mehr zurück liegen. Der Vorteil hierbei ist, dass nur einmal entsprechende Steuern und Versicherungsgebühren anfallen. Der Nachteil ist, dass diese Gebühr deutlich teurer ist und die Fahrzeuge zudem nur abwechselnd genutzt werden können.

11. Saisonkennzeichen - Vorteile und Nachteile

Traktoren können auch dauerhaft nur für eine bestimmte Saison bzw. einen festgelegten Zeitraum angemeldet werden. Das spart sowohl Steuer- als auch Versicherungsbeiträge. Der Nachteil hierbei ist jedoch, dass das Fahrzeug für die restliche Zeit des Jahres als abgemeldet gilt und nicht auf öffentlichen Straßen gefahren werden darf. Der Mindestzeitraum für die saisonale Anmeldung beträgt 2 Monate, maximal ist ein Saisonkennzeichen für 11 Monate gültig. Bei saisonaler Zulassung erfolgt eine entsprechende Kennzeichnung des Zeitraums auf dem Nummernschild.

12. Den Anhänger anmelden

Wann ist ein Anhänger zulassungsfrei?
Bis 25 km/h sind land- oder forstwirtschaftliche Anhänger (LOF Anhänger) von der Zulassung befreit, wenn sie

  • in land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben,
  • nur für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke
  • und mit einer Betriebsgeschwindigkeit von maximal 25 km/h eingesetzt werden.
  • Und mit einem 25er-Geschwindigkeitsschild gekennzeichnet sind.

Jedoch benötigen zulassungsfreie LOF Anhänger eine Betriebserlaubnis sowie ein Wiederholungskennzeichen des Traktors.

LOF Anhänger mit einer Höchstgeschwindigkeit über 25 km/h sind zulassungspflichtig. Werden sie ausschließlich für land- und forstwirtschaftliche Zwecke verwendet, erhalten sie ein eigenes grünes Kennzeichen. Sind sie auch außerhalb der Landwirtschaft unterwegs, beispielsweise im öffentlichen Straßenverkehr, benötigen sie ein schwarzes Kennzeichen.

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Author: Dean Jakubowski Ret

Last Updated: 11/24/2022

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